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TENS erklärt: Wie transkutane elektrische Nervenstimulation funktioniert

TENS erklärt: Wie transkutane elektrische Nervenstimulation funktioniert

Wie funktioniert ein TENS-Gerät? Transkutane elektrische Nervenstimulation einfach erklärt: Wirkung, Anwendung, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen.
menstruflow Ratgeber, Kategorie Regelschmerzen, Titelbild in Glasoptik

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menstruflow

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Ein TENS-Gerät funktioniert, indem es über Klebeelektroden auf der Haut leichte elektrische Impulse abgibt. Diese Impulse reizen Nerven und können so die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark dämpfen. TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Es ist ein medikamentenfreies Verfahren, das in Medizin und Physiotherapie seit Jahrzehnten genutzt wird.

Inhalt

Was ist ein TENS-Gerät?

TENS ist die Abkürzung für transkutane elektrische Nervenstimulation. Übersetzt heißt das etwa: elektrische Reizung von Nerven durch die Haut hindurch. Ein TENS-Gerät ist ein kleines, meist batteriebetriebenes Gerät, das über Kabel oder direkt mit Klebeelektroden verbunden ist.

Die Elektroden werden auf die Haut geklebt. Über sie gibt das Gerät schwache elektrische Impulse ab. Frequenz und Stärke lassen sich in der Regel einstellen. Viele Menschen beschreiben das Gefühl als leichtes Kribbeln, Prickeln oder Klopfen.

Das Verfahren wird seit den 1970er Jahren in der Schmerzmedizin und in der Physiotherapie verwendet. Es zählt zu den sogenannten physikalischen Methoden, arbeitet also mit einem physikalischen Reiz statt mit Medikamenten.

Wie funktioniert TENS genau?

Die elektrischen Impulse eines TENS-Geräts reizen die Nervenfasern unter der Haut. Das setzt zwei Mechanismen in Gang, die zusammenspielen.

Erstens beeinflusst der Reiz, wie Schmerzsignale im Rückenmark weitergeleitet werden. Vereinfacht gesagt kann die Stimulation die Weiterleitung von Schmerzsignalen zum Gehirn abschwächen. Der Fachbegriff dafür ist die Gate-Control-Theorie, dazu gleich mehr.

Zweitens kann die Stimulation den Körper anregen, eigene schmerzhemmende Botenstoffe auszuschütten, etwa Endorphine. Diese körpereigenen Stoffe wirken ähnlich beruhigend auf das Schmerzempfinden.

Welcher Mechanismus im Vordergrund steht, hängt unter anderem von der eingestellten Frequenz ab. Höhere Frequenzen zielen eher auf den Gate-Control-Effekt, niedrigere eher auf die Ausschüttung von Endorphinen. Genau deshalb lassen sich viele Geräte in Frequenz und Intensität verstellen.

Was ist die Gate-Control-Theorie?

Die Gate-Control-Theorie ist das bekannteste Erklärungsmodell für die Wirkung von TENS. Sie wurde 1965 von den Forschern Ronald Melzack und Patrick Wall vorgestellt.

Die Idee dahinter lässt sich mit einem Tor beschreiben. Im Rückenmark gibt es eine Art Kontrollstelle, durch die Schmerzsignale auf ihrem Weg zum Gehirn hindurchmüssen. Dieses Tor kann geöffnet oder geschlossen sein.

Werden nun über TENS andere Nervenfasern gereizt, konkurrieren deren Signale mit den Schmerzsignalen um den Durchgang. Vereinfacht gesagt: Der zusätzliche Reiz kann das Tor teilweise schließen, sodass weniger Schmerzsignal beim Gehirn ankommt. Das ist auch der Grund, warum wir instinktiv eine schmerzende Stelle reiben. Auch dabei überlagern wir das Schmerzsignal mit einem anderen Reiz.

Wichtig ist: Die Theorie beschreibt einen Mechanismus, wie eine Reizung wirken kann. Wie stark der Effekt im Einzelfall ist, hängt von vielen Faktoren ab und ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Wie wird ein TENS-Gerät angewendet?

Die Anwendung ist im Grundprinzip einfach, sollte aber sorgfältig erfolgen. So läuft sie typischerweise ab:

  • Elektroden platzieren. Die Klebeelektroden werden auf saubere, unverletzte Haut in der Nähe der schmerzenden Region gesetzt. Die genaue Position beeinflusst die Wirkung.
  • Programm und Stärke wählen. Am Gerät lassen sich meist Frequenz und Intensität einstellen. Man beginnt niedrig und steigert langsam, bis ein deutliches, aber angenehmes Kribbeln spürbar ist.
  • Dauer beachten. Eine Anwendung dauert je nach Empfehlung oft zwischen 20 und 45 Minuten und kann mehrmals täglich wiederholt werden.
  • Auf die Haut achten. Nach der Anwendung wird die Haut kontrolliert. Rötungen an den Elektrodenstellen sind möglich und klingen normalerweise wieder ab.

Gerade am Anfang ist es sinnvoll, sich die Handhabung ärztlich oder physiotherapeutisch zeigen zu lassen. Fachleute können bei der richtigen Elektrodenposition und den passenden Einstellungen helfen.

Wofür wird TENS eingesetzt?

TENS wird in der Medizin und Physiotherapie bei sehr unterschiedlichen Schmerzarten genutzt, sowohl bei akuten als auch bei länger anhaltenden Beschwerden. Häufige Anwendungsbereiche sind Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Gelenkbeschwerden oder Schmerzen nach Verletzungen.

Auch im Zusammenhang mit Menstruationsschmerzen wurde TENS untersucht. Zu dieser Frage gibt es eine Cochrane-Übersichtsarbeit, die mehrere randomisierte Studien zusammenfasst. Insgesamt zählt TENS damit zu den anerkannten, medikamentenfreien Verfahren, die in der Schmerzbehandlung eine Rolle spielen können.

Wie gut TENS im Einzelfall wirkt, ist individuell verschieden. Bei den einen ist der Effekt deutlich, bei den anderen kaum spürbar. TENS ersetzt keine ärztliche Abklärung der Schmerzursache. Es ist eine mögliche Ergänzung, kein Ersatz für eine Diagnose.

Ist TENS sicher? Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Richtig angewendet gilt TENS als gut verträgliches Verfahren. Die häufigste Nebenwirkung sind Hautreizungen oder Rötungen unter den Elektroden. Trotzdem gibt es klare Situationen, in denen TENS nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden sollte.

Zu den wichtigen Gegenanzeigen zählen:

  • Ein Herzschrittmacher oder andere aktive Implantate
  • Eine Schwangerschaft, besonders im Bauch- und Beckenbereich
  • Akute Entzündungen, offene Wunden oder Hauterkrankungen im Anwendungsbereich
  • Epilepsie
  • Gefühlsstörungen oder fehlendes Schmerzempfinden in der behandelten Region
  • Thrombosen oder ausgeprägte Venenerkrankungen an der Anwendungsstelle

Die Elektroden sollten außerdem nicht am Hals, über dem Herzen oder auf gereizter Haut platziert werden. Wenn du eine Vorerkrankung hast, unsicher bist oder Beschwerden abklären lassen möchtest, sprich die Anwendung vorher in deiner ärztlichen Praxis oder in der Physiotherapie an. Diese Aufzählung ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen zu TENS

Tut eine TENS-Anwendung weh?

Nein, richtig eingestellt tut TENS nicht weh. Die meisten Menschen spüren ein Kribbeln oder Prickeln. Die Intensität wird so gewählt, dass sie deutlich, aber angenehm ist. Wenn es unangenehm wird, sollte die Stärke reduziert werden.

Wie schnell wirkt ein TENS-Gerät?

Das ist individuell verschieden. Manche Menschen spüren schon während der Anwendung eine Veränderung, bei anderen zeigt sich der Effekt weniger deutlich. Wie stark und wie schnell TENS wirkt, hängt von der Person, der Einstellung und dem Anwendungsbereich ab.

Wie oft darf man TENS anwenden?

Häufig wird TENS mehrmals täglich für jeweils etwa 20 bis 45 Minuten angewendet. Die genaue Empfehlung hängt vom Gerät und vom Anwendungsgrund ab. Halte dich an die Gebrauchsanweisung oder die Empfehlung deiner Ärztin oder deines Physiotherapeuten.

Ist TENS dasselbe wie EMS?

Nein. TENS reizt Nerven und zielt auf das Schmerzempfinden. EMS steht für elektrische Muskelstimulation und soll gezielt Muskeln zum Zusammenziehen bringen, etwa zum Muskeltraining. Beide arbeiten mit elektrischen Impulsen, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Kann jeder ein TENS-Gerät benutzen?

Nicht uneingeschränkt. Für viele Menschen ist TENS gut geeignet, es gibt aber klare Gegenanzeigen, etwa einen Herzschrittmacher oder eine Schwangerschaft. Im Zweifel sollte die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt werden.

Braucht man für TENS ein Rezept?

TENS-Geräte für den Heimgebrauch sind frei erhältlich. In bestimmten Fällen kann ein TENS-Gerät ärztlich verordnet werden. Ob das für dich infrage kommt, klärst du am besten in deiner ärztlichen Praxis.

Wo werden die Elektroden platziert?

In der Regel nahe der schmerzenden Stelle auf sauberer, unverletzter Haut. Die genaue Position kann die Wirkung beeinflussen. Gerade am Anfang hilft eine Einweisung durch Fachpersonal, die passenden Stellen zu finden.

Quellen

  1. Melzack R, Wall PD (1965): Pain mechanisms, a new theory (Gate-Control-Theorie), Science. Zusammengefasst u.a. bei DocCheck Flexikon: Gate-Control-Theorie. flexikon.doccheck.com
  2. Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), eine physikalisch-medizinische Methode, rheuma plus (Springer), 2024. link.springer.com
  3. Transkutane elektrische Nervenstimulation, DocCheck Flexikon. flexikon.doccheck.com

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei starken, ungewöhnlichen oder anhaltenden Beschwerden wende dich bitte an deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt.

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