Habe ich Endometriose? Anzeichen erkennen und Diagnose verstehen

Du kannst Endometriose nicht selbst diagnostizieren, aber es gibt Warnzeichen, auf die du bei deinem Körper achten kannst, bevor du für eine Untersuchung und Diagnose zu einer Ärztin oder einem Arzt gehst. Dazu können sehr schmerzhafte Perioden, Schmerzen beim Sex oder sogar Schmerzen beim Toilettengang gehören. Auch eine sonst unerklärliche Unfruchtbarkeit kann ein Symptom sein. Im Schnitt dauert es rund 6 Jahre bis zur Diagnose Endometriose, deshalb ist es wichtig, auf die Anzeichen zu achten, wenn du vermutest, betroffen zu sein. Dieser Artikel hilft dir, sie zu erkennen und dich auf den Arztbesuch vorzubereiten.
Inhalt
- Was ist Endometriose?
- Woran erkennst du, ob du möglicherweise an Endometriose leidest?
- Die Komplikationen
- Fragen für deine Ärztin oder deinen Arzt
- Wo du Hilfe findest
- Häufige Fragen zu Endometriose
Was ist Endometriose?
Endometriose entsteht, wenn ein Gewebe, das dem Gewebe ähnelt, das die Gebärmutter auskleidet, beginnt, an Stellen zu wachsen, an denen es nicht hingehört. Dieses Wachstum kann schmerzhafte Symptome verursachen, die über den Menstruationszyklus hinausgehen und sogar den Alltag beeinträchtigen können. Dieses Gewebe kann im Raum hinter der Gebärmutter, an den Eierstöcken oder in den Eileitern wachsen. Endometriosegewebe verhält sich ähnlich wie die Schleimhaut im Inneren der Gebärmutter: Es verdickt sich, löst sich ab und blutet mit jedem Menstruationszyklus. Aufgrund dieses zusätzlichen Gewebes kann es jedoch zu stärkeren Schmerzen oder stärkeren Blutungen während der Menstruation kommen.
Endometriose ist eine relativ häufige Erkrankung, die weltweit fast jede zehnte Frau betrifft. In den meisten Fällen wird sie bei Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren diagnostiziert, kann jedoch jederzeit auftreten, von der ersten Regelblutung bis hin zu den Wechseljahren. Sie kann alle Personen betreffen, die eine Gebärmutter haben oder hatten.
Leider sind sich Medizinerinnen und Mediziner noch nicht ganz sicher, was Endometriose verursacht. Mögliche Ursachen könnten die retrograde Menstruation sein, bei der Menstruationsblut in die Beckenhöhle zurückfließt, anstatt den Körper zu verlassen. Das Blut enthält Zellen aus der inneren Gebärmutterschleimhaut, die sich an den Beckenwänden festsetzen, wachsen und mit jedem Menstruationszyklus weiter verdicken und bluten können. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass hormonelle Veränderungen oder Immunfaktoren Zellen auf der Innenseite des Bauches in Zellen umwandeln können, die denen der Gebärmutterschleimhaut ähneln. Probleme mit dem Immunsystem können dazu führen, dass der Körper Endometriosegewebe nicht erkennen und abbauen kann. All diese Themen sind jedoch noch Gegenstand laufender Forschung, und Expertinnen und Experten sind noch nicht in der Lage, eine genaue Ursache zu benennen.
Woran erkennst du, ob du möglicherweise an Endometriose leidest?
Eines der häufigsten Symptome der Endometriose sind starke Regelschmerzen, so stark, dass sie dich daran hindern können, alltägliche Aktivitäten zu erledigen. Darüber hinaus können Schmerzen außerhalb der Menstruation im Beckenbereich oder im unteren Rücken auftreten. Achte auf ungewöhnliche Schmerzen beim Gang zur Toilette oder auf Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), da diese Hinweise auf Endometriose sein können. Starke Blutungen während der Periode oder sogar Blutungen zwischen den Perioden können ein weiteres Anzeichen für Endometriose sein. Endometriose kann neben immensen Schmerzen und Entzündungen auch zu Unfruchtbarkeit führen. Da sie Gewebe an Stellen wachsen lässt, an denen es nicht hingehört, kann dies beeinträchtigen, wie Ei- und Samenzelle sich bei der Befruchtung begegnen. Dies sind die häufigeren Symptome der Endometriose, halte also Ausschau nach ihnen, wenn du vermutest, an dieser Erkrankung zu leiden.
Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Schwere der Symptome und dem Schweregrad der Erkrankung. Manche Menschen haben eine schwere Endometriose, erleben aber keine Schmerzen. Andererseits können manche Menschen unter starken Schmerzen leiden, obwohl sie nur relativ kleine Endometrioseherde haben. Manche Menschen mit Endometriose haben sogar überhaupt keine Symptome und erfahren von ihrer Erkrankung erst nach einer Operation aus anderen Gründen oder bei der Abklärung von Unfruchtbarkeit.
Starke Schmerzen sind nicht normal, und du solltest nicht versuchen, sie zu ignorieren oder zu überspielen. Schmerzen sollten nicht so lähmend sein, dass sie deinen Alltag beeinträchtigen oder sich auf Schule, Beruf oder dein soziales Leben auswirken. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Schmerzen abgetan oder als "normal" betrachtet wurden, bist du nicht allein. Laut dem Endometriosis Network Canada wurde bei 8 von 10 Personen, bei denen später Endometriose diagnostiziert wurde, der Schmerz zunächst als normal bezeichnet. Deine Schmerzen und Erfahrungen sollten nicht ignoriert werden. Stattdessen solltest du Hilfe und Lösungen suchen, um deine Symptome zu lindern, ein Teil davon kann darin bestehen, eine Diagnose zu erhalten, wenn du glaubst, an Endometriose zu leiden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie eine medizinische Fachkraft auf Endometriose testet. Ärztinnen und Ärzte beginnen wahrscheinlich mit einer körperlichen Untersuchung und fragen nach Symptomen und Schmerzstärke. Sie können eine gynäkologische Untersuchung durchführen, um nach ungewöhnlichen Veränderungen wie Zysten, schmerzhaften Stellen, Wucherungen oder Narbengewebe zu suchen. Es kann auch ein Ultraschall durchgeführt werden, um nach Zysten zu suchen, dieser kann jedoch keine definitive Diagnose stellen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Magnetresonanztomograph (MRT), der ein Magnetfeld und Radiowellen nutzt, um Endometrioseherde sichtbar zu machen. Blutuntersuchungen können durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen. Keine dieser Methoden ist jedoch abschließend beweisend. Der einzig schlüssige Test ist die Laparoskopie, ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Operateurin oder der Operateur das Innere des Bauches auf Endometriosegewebe untersucht.
Der übliche Diagnoseweg wird in der Regel bei jedem Schritt von der GKV übernommen. Dazu gehören ein Erstgespräch, eine Ultraschalluntersuchung und bei Bedarf ein MRT, sofern der Arzt bzw. die Ärztin dies für notwendig hält. Bei medizinischer Indikation übernimmt die GKV auch eine Laparoskopie, wobei üblicherweise zunächst Ultraschall und/oder MRT erfolgen sollten. Laparoskopien werden in der Regel erst dann eingesetzt, wenn die Bildgebung kein eindeutiges Ergebnis liefert. Ein Speicheltest wird von der GKV jedoch nicht übernommen und kostet Patientinnen in der Regel 799 € aus eigener Tasche. Bei PKV-Versicherten wird medizinisch notwendige Behandlung in der Regel ebenfalls übernommen. Da sich die jeweilige Situation je nach individuellem Krankheitsbild unterscheidet, sollte für Rückfragen immer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin gehalten werden.
Die Komplikationen
Leider kann Endometriose bei Betroffenen ähnlich aussehen wie viele andere Erkrankungen, die Beckenschmerzen verursachen, darunter das Reizdarmsyndrom (RDS), Eierstockzysten oder Adenomyose. Die vielfältige und uneinheitliche Symptomatik der Endometriose erschwert es manchen Ärztinnen und Ärzten erheblich, die richtige Diagnose zu stellen. Außerdem sind Symptome wie schmerzhafte Krämpfe zu Beginn oft noch nicht schwerwiegend, verschlimmern sich jedoch mit der Zeit und weiten sich in ihrer Lokalisation aus. Wenn du überlegst, ob du möglicherweise an Endometriose oder einer anderen Erkrankung leidest, achte darauf, ob deine Schmerzen progressiv und zyklisch auftreten, diese Merkmale sprechen stark für eine Endometriose. Der wichtigste Schritt bei beunruhigenden Symptomen bleibt jedoch, ärztliche Hilfe zu suchen. Es gibt keinen Selbsttest für Endometriose, auch wenn du Symptome online vergleichen oder Fragebögen ausfüllen kannst. Medizinische Untersuchungen, körperliche Befunde und operative Eingriffe können dazu beitragen, andere Ursachen auszuschließen und eine Diagnose zu stellen. Eine Ärztin oder ein Arzt kann außerdem dabei helfen, offene Fragen zu klären und Lösungen zu finden, ob es sich letztendlich um Endometriose oder eine andere Erkrankung handelt.
Fragen für deine Ärztin oder deinen Arzt (und für dich!)
Fragen für dich vor deinem Termin
Überlege, warum du glaubst, dass du Endometriose haben könntest. Erinnere dich so gut wie möglich an Schmerzen und andere Symptome und halte sie fest, das kann deiner Ärztin oder deinem Arzt helfen, deine Situation besser zu verstehen.
- Hat jemand in deiner Familie Endometriose?
- Gibt es andere Aspekte deiner Krankengeschichte, die für die Symptome, die du erlebst, relevant sein könnten?
- Was möchtest du aus diesem Gespräch mitnehmen? Hilfe bei der Schmerzbehandlung? Informationen zu Fruchtbarkeitsoptionen? Behandlungsmöglichkeiten? Das liegt bei dir und sollte auf deine Bedürfnisse zugeschnitten sein.
Fragen für deine Ärztin oder deinen Arzt
- Welche Möglichkeiten stehen zur Schmerzbehandlung zur Verfügung?
- Gibt es hilfreiche ergänzende Behandlungsansätze? Hat deine Ärztin oder dein Arzt Empfehlungen?
- Gibt es Informationsmaterial oder hilfreiche Websites, die sie oder er empfehlen kann?
- Welche Optionen gibt es, wenn die gewählte Behandlungsmethode nicht anschlägt?
- Woran erkennst du, dass der aktuelle Behandlungsplan nicht funktioniert, und ab wann solltest du erneut ärztlichen Rat suchen?
Selbstverständlich sollten deine Fragen auf deine individuelle Situation zugeschnitten sein. Es ist außerdem sehr wichtig, dass du dich bei deiner Ärztin oder deinem Arzt wohl und sicher fühlst. Wenn du das Gefühl hast, nicht offen über deine Symptome sprechen zu können, oder dass dir nicht richtig zugehört wird, denke daran: Du kannst jederzeit eine andere Ärztin oder einen anderen Arzt aufsuchen. Bei diesen Terminen ist es entscheidend, dass du dich sicher, gehört und ernst genommen fühlst.
Wo du Hilfe findest
Diese Anlaufstellen bieten verlässliche Informationen und Austausch mit anderen Betroffenen:
Häufige Fragen zu Endometriose
Was sind die häufigsten Anzeichen für Endometriose?
Zu den häufigsten Anzeichen gehören sehr schmerzhafte Perioden, Schmerzen außerhalb der Periode im Unterbauch oder unteren Rücken, Schmerzen beim Sex und Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Auch eine unerklärliche Unfruchtbarkeit kann ein Anzeichen sein. Wichtig: Wie stark die Symptome sind, sagt nichts darüber aus, wie ausgeprägt die Erkrankung ist.
Kann meine Frauenärztin Endometriose einfach erkennen?
Nicht mit Sicherheit allein aus einem Gespräch. Eine körperliche und eine Ultraschalluntersuchung können Hinweise wie Zysten liefern, aber sie können Endometriose weder sicher bestätigen noch ausschließen. Bislang ist die einzige eindeutige Diagnose die Laparoskopie (Bauchspiegelung).
Kann man Endometriose im Blut nachweisen?
Nein. Derzeit gibt es keinen Bluttest, der Endometriose zuverlässig erkennt. Blutuntersuchungen dienen vor allem dazu, andere Ursachen auszuschließen.
Kann man Endometriose im Ultraschall oder MRT sehen?
Teilweise. Ultraschall und MRT können bestimmte Formen wie Zysten oder tiefer liegende Herde zeigen, kleinere können sie aber übersehen. Ein unauffälliger Befund schließt Endometriose also nicht aus.
Was kostet ein Endometriose-Test?
Der übliche Diagnoseweg (Gespräch, Ultraschall und bei Bedarf ein MRT und eine Laparoskopie) wird von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen, wenn er medizinisch notwendig ist. Der neuere Speicheltest wird derzeit nicht von der GKV übernommen und kostet als Selbstzahlerleistung rund 799 €.
Kann ich Endometriose haben, ohne es zu wissen?
Ja. Manche Menschen haben ausgeprägte Herde, aber wenig oder keine Beschwerden, und erfahren erst zufällig davon, zum Beispiel bei einer Operation aus anderem Grund oder bei der Abklärung einer unerklärlichen Unfruchtbarkeit.
Womit kann Endometriose verwechselt werden?
Ihre Symptome ähneln anderen Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom, Eierstockzysten oder Adenomyose. Es hilft, die Symptome über mehrere Zyklen zu verfolgen, besonders ob die Schmerzen zyklisch auftreten und mit der Zeit schlimmer werden.
Wie lange dauert es im Schnitt bis zur Diagnose?
Oft sehr lange: Studien für Deutschland zeigen eine durchschnittliche Verzögerung von rund 10 Jahren zwischen den ersten Symptomen und der Diagnose, bei jüngeren Menschen (20 bis 30 Jahre) im Schnitt etwa 7 Jahre. Genau deshalb lohnt es sich, auf die Warnzeichen zu achten und Symptome früh abklären zu lassen.
Quellen
- "Endometriose: Diagnose und Behandlung." BARMER, www.barmer.de/gesundheit-verstehen/wissen/krankheiten-a-z/endometriose-1141252 .
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- "Endometriosis." World Health Organization, 15 Oct. 2025.
- "Endometriosis Center." Medizinische Hochschule Hannover, www.mhh.de/en/endometriosis-center.
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- "Endometriosis, Symptoms and Causes." Mayo Clinic, www.mayoclinic.org/diseases-conditions/endometriosis/symptoms-causes/syc-20354656.
- Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. Home. www.endometriose-vereinigung.de/.
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- Heinze, Nicole Rebecca. "Selbstberichtete Kosten von Endometriosebetroffenen in Deutschland." Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Thieme, 2024, doi:10.1055/a-2378-3468.
- Hudelist, G., et al. "Diagnoseverzögerung bei Endometriose, was sind die Ursachen?" Geburtshilfe und Frauenheilkunde, vol. 72, 2012, p. P16. Thieme Connect, doi:10.1055/s-0032-1313659.
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- "Reimagining Endometriosis." ScienceDirect, 2021, www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666634021001756 .
- "What Conditions Are Often Mistaken for Endometriosis?" CCRM Fertility, www.ccrmivf.com/news/endometriosis-conditions-mistaken/ .
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei starken, ungewöhnlichen oder anhaltenden Beschwerden wende dich bitte an deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt.
